Ruflo orchestriert 100+ Agenten als selbstlernende Swarms und lässt sie per Zero-Trust-Federation sicher über Maschinengrenzen hinweg kommunizieren.
SerieKI-Agenten
Teil 7 von 7
Teil 3 dieser Serie hat CrewAI, AG2 und LangGraph als Orchestrierungs-Frameworks vorgestellt: Code-basierte Systeme für Entwickler, die Multi-Agent-Pipelines programmieren wollen. Ruflo geht einen Schritt weiter — in mehrere Richtungen gleichzeitig.
Ruflo orchestriert nicht nur Agenten, es verbindet sie zu selbstlernenden Swarms mit geteiltem Gedächtnis, bringt eine Plugin-Architektur mit 33 Bausteinen und löst ein Problem, das in der bisherigen Serie noch nicht auftauchte: Was passiert, wenn Agenten auf verschiedenen Maschinen, in verschiedenen Organisationen, über Vertrauensgrenzen hinweg kooperieren müssen?
GitHub: ruvnet/ruflo — ~53k ⭐, 6k Forks, 22M+ npm-Downloads (Mai 2026)
Von Claude Flow zu Ruflo
Ruflo hieß vorher Claude Flow — ein Projekt, das als Orchestrierungsschicht speziell für Claude Code entstand. Die Umbenennung ist mehr als Marketing: Ruflo unterstützt heute fünf LLM-Provider (Claude, GPT, Gemini, Cohere, Ollama) und läuft als eigenständige Infrastruktur, die sich in Claude Code integriert, aber nicht davon abhängt.
Der Kern blieb: Ruflo gibt Claude Code ein Nervensystem. Agenten organisieren sich selbst in Swarms, lernen aus jedem Task, speichern Kontext über Sessions hinweg — und koordinieren im Hintergrund, während der Entwickler normal weiterarbeitet.
# MCP-Server registrieren
claude mcp add ruflo -- npx ruflo@latest mcp start
# Interaktiver Setup-Wizard
npx ruflo@latest init wizard Zwei Install-Pfade, sehr verschiedene Oberflächen
Ruflo unterscheidet explizit zwischen zwei Einstiegsszenarien — eine Entscheidung, die im README klar begründet wird:
Plugin-Modus (lite): Nur Slash-Commands und Agent-Definitionen in Claude Code, keine Dateien im Workspace, kein MCP-Server. Geeignet zum Ausprobieren einzelner Plugins ohne Commitment.
/plugin marketplace add ruvnet/ruflo
/plugin install ruflo-core@ruflo
/plugin install ruflo-swarm@ruflo CLI-Installation (vollständig): 98 Agenten, 60+ Kommandos, 30 Skills, MCP-Server, Hooks, Daemon. Dieser Pfad bringt .claude/, .claude-flow/ und CLAUDE.md in den Workspace — die volle Ruflo-Infrastruktur.
npx ruflo@latest init wizard Die Trennung ist ehrlich: Im Plugin-Modus funktionieren memory_store, swarm_init und agent_spawn nicht, weil der MCP-Server nicht registriert ist. Das steht im README ohne Verklärung.
33 Plugins, vier Kernbereiche
Die Plugin-Architektur ist das Rückgrat von Ruflo. Teil 1 dieser Serie beschrieb Skills als den wichtigsten Trend bei Agentensystemen — Ruflo hat dieselbe Idee als Plugin-Ökosystem umgesetzt, mit klaren Kategorien:
Orchestrierung: ruflo-core (Foundation), ruflo-swarm (Agenten als Team), ruflo-autopilot (autonome Loops), ruflo-loop-workers (zeitgeplante Hintergrundtasks), ruflo-federation (Agenten über Maschinengrenzern).
Gedächtnis und Wissen: ruflo-agentdb (Vektordatenbank), ruflo-rag-memory (hybride Suche mit Graph-Hops und Diversity-Ranking), ruflo-rvf (Memory-Snapshots über Sessions hinweg), ruflo-knowledge-graph (Entitätsbeziehungen).
Intelligenz und Lernen: ruflo-intelligence (Agenten lernen aus vergangenen Erfolgen), ruflo-daa (dynamische kognitive Muster), ruflo-ruvllm (lokale LLMs mit intelligentem Routing), ruflo-goals (Ziele in Pläne aufteilen).
Code-Qualität und DevOps: ruflo-testgen (fehlende Tests finden und generieren), ruflo-browser (Playwright-Automatisierung), ruflo-jujutsu (Git-Diff-Analyse mit Risikobewertung), ruflo-observability (Logs, Traces, Metriken), ruflo-cost-tracker (Token-Budget-Kontrolle).
Dazu Plugins für Security (ruflo-aidefence), Architektur-Dokumentation (ruflo-adr), Domain-Driven Design (ruflo-ddd), eine SPARC-Entwicklungsmethodik mit Qualitätsgates, IoT-Gerätemanagement und einen KI-Handelsagenten mit Backtesting.
Swarm-Koordination: mehr als parallele Agenten
Teil 2 beschrieb die Parallelisierung von Entwicklungsarbeit über Worktrees. Ruflo geht strukturell weiter: Agenten koordinieren sich nicht nur parallel, sondern über definierte Topologien mit Konsens-Mechanismen.
Verfügbare Topologien: hierarchisch (Queen-Struktur mit Raft-Konsens), Mesh (Gossip-Protokoll), adaptiv (wechselt zwischen Topologien je nach Aufgabentyp). Der Router entscheidet laut Projekt-Dokumentation mit 89% Genauigkeit, welcher Agent für welche Aufgabe am besten geeignet ist.
Das Gedächtnis ist kein einfacher Key-Value-Store. Ruflo nutzt HNSW (Hierarchical Navigable Small World) für Vektorsuche — laut Dokumentation 150x bis 12.500x schneller als Brute-Force-Suche. Agenten rufen vergangene Lösungen, ähnliche Problemmuster und gespeicherte Expertise ab, bevor sie eine Aufgabe angehen. Das ist Context Engineering mit persistenter Basis: Was heute gelöst wird, steht morgen als Kontext bereit.
Federation: Slack für Agenten
Das ungewöhnlichste Feature von Ruflo ist die Agent Federation — und es verdient einen eigenen Absatz, weil es ein Problem löst, das bisher kaum adressiert wurde.
Typische Multi-Agent-Systeme laufen auf einer Maschine, in einer Installation, unter einer Kontrolle. Federation fragt: Was, wenn Team A einen Agenten hat, der mit dem Agenten von Team B kommunizieren muss — sicher, auditierbar, ohne dass rohe Kundendaten die Organisationsgrenze verlassen?
Ruflos Antwort: Ein Zero-Trust-Protokoll mit mTLS und Ed25519-Challenge-Response für Identitätsprüfung, einer 14-Typ-PII-Erkennungspipeline (E-Mails, SSNs, API-Keys werden automatisch entfernt, bevor Nachrichten die Node verlassen), und einem Verhaltens-Trust-Score, der sich kontinuierlich aus Erfolgsrate, Uptime, Bedrohungssignalen und Integrität berechnet.
# Federation initialisieren
npx claude-flow@latest federation init
# Fremder Federation beitreten
npx claude-flow@latest federation join wss://team-b.example.com:8443
# Task senden — PII wird automatisch vor dem Verlassen der Node entfernt
npx claude-flow@latest federation send --to team-b --type task-request \
--message "Analyze transaction patterns for account anomalies" Neue Agenten starten mit niedrigem Trust-Level. Je mehr sie korrekt und zuverlässig liefern, desto mehr Zugriff bekommen sie. Fehlverhalten führt zu sofortigem Downgrade — ohne menschlichen Eingriff. Das ist ein Sicherheitsmodell, das für autonome Systeme gedacht ist: kein statisches Vertrauen, sondern verhaltensbasiertes.
Optional gibt es eine WireGuard-Mesh-Schicht, die Paket-Level-Erreichbarkeit mit Federation-Trust verknüpft.
Goal Planner: GOAP A* für echte Aufgaben
Bei goal.ruv.io gibt es eine eigene Oberfläche für Goal-Oriented Action Planning (GOAP) — ein Algorithmus aus der Spielentwicklung, der hier auf Softwarearbeit übertragen wurde.
Eingabe: Ein Ziel in normaler Sprache — „ship the auth refactor with tests and a PR”. Ruflo extrahiert Erfolgskriterien, Constraints und implizite Voraussetzungen, baut einen A*-Suchbaum durch den Zustandsraum möglicher Aktionen und findet den kürzesten praktikablen Weg.
Was das von einfachen Task-Listen unterscheidet: Der Planer kennt Vorbedingungen und Effekte jeder Aktion. Wenn eine Aktion scheitert oder neue Information eintrifft, wird nicht von vorne angefangen — der A*-Algorithmus startet vom aktuellen Zustand neu. Scheitern wird zur Lerngrundlage, nicht zur Endlosschleife.
Der Live-Agenten-Dashboard unter /agents zeigt jeden aktiven Agenten: Rolle, aktueller Schritt, Memory-Namespace, Token-Budget, Status. Agenten lassen sich inspizieren, stoppen oder neu zuweisen.
Web UI: flo.ruv.io
Ruflo hat eine selbst-hostbare Web-UI unter flo.ruv.io — Multi-Modell-Chat mit nativem MCP-Tool-Calling direkt im Browser. Parallel laufende Tools werden als Cards mit Status angezeigt, eigene MCP-Server lassen sich per URL einbinden.
Unterstützte Modelle out-of-the-box: Qwen 3.6 Max (Standard), Claude Sonnet 4.6, Claude Haiku 4.5, Gemini 2.5 Pro, Gemini 2.5 Flash, OpenAI — alle über OpenRouter. Lokale Modelle via Ollama, vLLM oder LM Studio sind ebenfalls einbindbar. Das Gedächtnis persistiert über Sessions: Was einmal gespeichert wurde, steht bei der nächsten Sitzung zur Verfügung.
# Selbst hosten
cd ruflo/src/ruvocal
docker build -t ruflo-ui .
docker run -p 3000:3000 ruflo-ui Einordnung
Ruflo ist das umfangreichste Orchestrierungssystem, das diese Serie bisher vorgestellt hat. Die Zahlen aus dem Repo — 53k Stars, 22M npm-Downloads und 115k Git-Clones in 14 Tagen — zeigen, dass es sich nicht um ein Nischenprojekt handelt.
Was es von CrewAI und AG2 unterscheidet: nicht der Ansatz (alle orchestrieren Agenten), sondern der Scope. Ruflo adressiert Persistenz, Selbstlernen, Plugin-Ökosystem, Federation und GOAP-Planung in einem System. Das bringt Komplexität — zwei sehr verschiedene Install-Pfade für einen Grund: Der volle Stack ist nicht trivial.
Für Teams, die mit Claude Code arbeiten und über einzelne Agenten hinaus wollen, ist Ruflo der direkteste Weg in koordinierte Multi-Agent-Workflows. Für das Federation-Feature gilt: Es ist das einzige System in dieser Serie, das cross-organisationale Agent-Kommunikation mit eingebautem Trust-Modell und PII-Schutz anbietet. Wer dieses Problem hat, findet hier eine durchdachte Antwort.